UNTERLEINLEITER – „Wenn ich jedes Reh, das ich vor die Büchse bekomme, schießen muss, nur um den Abschussplan zu erfüllen, hat das für mich nichts mehr mit Jagd zu tun“, sagt Klaus Philipp und spricht damit für die gesamte Hegegemeinschaft Leinleitertal Jura Süd. Die Jäger finden die Abschusszahlen, die alle drei Jahre auf Grund des Verbissgutachtens gefordert werden, zu hoch. Diese Zahlen geben ihnen vor, wie viel Rehwild sie in ihren Revieren schießen müssen, um Waldschäden so gering wie möglich zu halten.

Alle drei Jahre erstellt das Amt für Landwirtschaft und Forsten für alle Hegegemeinschaften Bayerns ein Gutachten. Dieses Gutachten soll festlegen, wie viel Rehe in den einzelnen Revieren tatsächlich erlegt werden sollen, damit so wenig Schaden wie möglich durch Verbiss entsteht. Als Verbiss bezeichnen die Jäger derart große Schäden an jungen Bäumen, dass der bestehende Baumbestand sich nicht mehr natürlich verjüngen kann. Rehe verursachen den Verbiss, wenn sie Triebe und Blätter fressen oder ihr Geweih an den Stämmen wetzen. Ist der Verbiss in einem Revier sehr hoch, haben vor allem junge Bäume keine Chance zu wachsen, der Wald ist in seinem natürlichen Gleichgewicht gestört.

Mängel beim Erstellen des Gutachtens
Auf die Reviere der Hegegemeinschaft Leinleitertal Jura Süd trifft dies aber nicht zu. Die Schäden seien so gering, dass man nicht von einem Verbiss reden kann, sagt Klaus Philipp, Leiter der Hegegemeinschaft: „Insbesondere der Bestand an Laubwäldern ist in unseren Revieren so hoch wie schon lange nicht mehr.“ Deshalb finden die Jäger auch die Abschusszahlen, die ihnen auferlegt wurden, nicht realistisch. Außerdem sieht Philipp Mängel in der Art und Weise, wie das Amt für Landwirtschaft und Forsten das Gutachten alle drei Jahre erstellt. „Der Großteil des Waldes wird nicht berücksichtigt. Zudem konzentriert sich das Gutachten nur auf das Rehwild; Schäden von Wildschweinen, die Eicheln und Bucheckern ja bereits fressen, bevor sie keimen können, werden nicht berücksichtigt“, sagt Philipp und weiter: „Das Gutachten ist meiner Meinung nach nicht geeignet, über den Rehwildbestand und den Schaden, den er verursacht, eine gültige Aussage zu machen.“

Waldbesitzer sind die wahren Gutachter
So lange er schon die Jagd ausübt, sind die Waldbesitzer für Klaus Philipp die wahren Gutachter, da sie ihre Wälder kennen und ein wirtschaftliches Interesse an einem gesunden Baumbestand haben. „Stellen sie fest, dass in einem Teil des Reviers Schäden herrschen, dann versuche ich, dieses Stück intensiver zu bejagen, damit der Wald sich an dieser Stelle auf natürliche Art verjüngt. Aber der Wildbestand in unseren Revieren darf nicht verringert werden“, sagt Philipp. „Der Jäger will in seinem Revier auch Wild sehen, aus diesem Grund hat er schließlich die Jagd von den Jagdgenossen gepachtet. Ohne Wild ist der Wald nur ein reiner Holzproduktionsbetrieb“, so Philipp weiter. Abschusspläne und Gutachten hält er, wie die gesamte Hegegemeinschaft, für reine Bürokratie und damit für entbehrlich.