Momentan zählen die JuraJagd-Jäger in den Revieren an der Leinleiter ganz schön viele Schafe. Schlafstörungen sind nicht der Grund, sondern der jährliche Besuch des Schäfers Erich Kißlinger. Mit rund 1000 Schafen, 50 Ziegen, zwei Eseln und seinen Hirtenhunden zieht er von Nürnberg über die Lange Meile (Landkreis Forchheim) nach Heiligenstadt und Scheßlitz.

Dabei leistet er aktiven Naturschutz: Das Biotopgebiet Lange Meile braucht Kißlingers Herde, um das Überleben bedrohter Arten zu sichern. Ein Knochenjob, der oft unterschätzt wird. Elisabeth Pöhlmann hat mit Kißlinger bei seinem ersten Besuch auf der Langen Meile vor vier Jahren gesprochen.

Jäger zählen Schafe - Erich Kißlinger

Schäfer Erich Kißlinger zieht seit vier Jahren durch die Reviere von JuraJagd.

Erich Kißlinger stützt sich auf seinen langen Hütestab, der wetterfeste Hut mit der breiten Krempe zieht tiefe Schatten auf sein Gesicht. Scheinbar gedankenverloren blickt er auf seine Schafherde. Einige der Tiere rupfen emsig Blätter von den Sträuchern, andere ruhen sich unter blau-weißem Himmel in der Mittagssonne aus. Einer der schwarzen Hütehunde liegt an Kißlings Seite, der andere döst im Schatten.

Es ist ein Bild wie aus einer Märchenerzählung, das JuraJagd vor vier Jahren inmitten der Wacholderheiden erwartet hat. Eine Idylle im klassischen Sinn, ein kleiner Einblick in eine scheinbar heile Welt. Leicht lässt sich beim Betrachten dieses Bilderbuchmotivs vergessen, wie viel harte Arbeit, wie viele Entbehrungen eigentlich dahinter stehen. Missen möchte Schäfer Erich Kißlinger jedoch keine Seite seines Jobs: “Das ist kein normaler Beruf, das ist eine Sucht.”

Jahrhundertelang wurde die gesamte Fränkische Schweiz von der Schafbeweidung geprägt. Durch das Grasen der Tiere entstanden Magerrasen, die der Volksmund auch Wacholderheiden nennt. Doch die Intensivierung der Landwirtschaft, die Aufforstungen der ertragsarmen Böden und der sinkende Preis für Fleisch und Wolle ließ auch die Zahl der Schäfereien in der Fränkischen drastisch abnehmen. In Folge verringerte sich auch der Bestand an Wacholderheiden. Viele Pflanzen und Tiere brauchen jedoch den einzigartigen Lebensraum dieser Heiden zum Überleben.

Deshalb sind die Jurajagd-Jäger froh, wenn sie wieder ganz viele Schafe zählen dürfen und heißen Erich Kißlinger herzlichst willkommen!

(Einige Stellen aus dem Text entstammen einem Artikel von Elisabeth Pöhlmann, der 2004 in den Nordbayerischen Nachrichten erschienen ist.)