Der Staatsforst Grumbach nahe Scheßlitz hat vor wenigen Wochen zur Drückjagd eingeladen: 71 Stück Rehwild blieben u.a. auf der Strecke. “Das hat nichts mehr mit waid- und tierschutzgerechter Jagd zu tun”, sagt Klaus Philipp, Leiter der Hegegemeinschaft Leinleitertal Jura Süd. Die Mitglieder der Hegegemeinschaft distanzieren sich als Jäger ausdrücklich von diesem Vorfall.

Laut Jagdgesetz ziele die Jagd auf einen in der Altersstruktur gesunden Wildbestand und soll das natürliche Gleichgewicht zwischen Wald und Wild bewahren. Eine derart hohe Abschussrate wie bei der Drückjagd in Grumbach habe jedoch nichts mehr mit der Hege und Pflege des Reviers zu tun, so Klaus Philipp: “Hier haben die Verantwortlichen innerhalb eines Tages das Abschuss-Soll für Rehwild für die kommenden drei Jahre erfüllt.”

Staat ist hinter Rehen her
Doch im Staatsforst darf weiter geschossen werden. Der Grund dafür liegt in einem Gutachten, welches das Amt für Landwirtschaft und Forsten erstellt. Auf diesem Gutachten, das sich ausschließlich auf den Rehwildbestand konzentriert, basiert der Abschussplan.

Selbst wenn dieser Abschussplan erfüllt ist, darf weiter geschossen werden. Die Rechnung auf staatlicher Seite ist dabei simpel: Je weniger Rehwild, desto weniger Schaden durch Verbiss an jungen Bäumen - und der Wald wächst. Und mehr Wald bedeutet auch mehr Geld in der Staatskasse.

Drückjagd im Winter = purer Stress für Wild
Um dieses Ziel zu erreichen, scheut der Staatsforst anscheinend auch nicht vor Methoden zurück, welche die private Jägerschaft streng verurteilt: “Eine Drückjagd im Winter ist purer Stress für das Wild. Gerade jetzt brauchen die Tiere ihre Energiereserven und müssen geschont werden”, so Philipp.

Das gilt vor allem für ein Revier wie in Grumbach, das von Feldern umgeben ist und dem Rehwild als Wintereinstand dient. Der Boden dort ist nämlich mit Brombeerranken bedeckt, die als begehrte Winteräsung für das Rehwild gelten.

Zudem gehe es bei einer Drückjagd oft sehr schnell zu. Für einen genauen Schuss fehlt meist die Zeit: Eine Unterscheidung zwischen Rehgeiß und Bock ist kaum möglich. Böcke haben jedoch im Winter Schonfrist.

Jäger sehen Gutachten als reine Bürokratie an
Die Jäger in den Hegegemeinschaften Leinleitertal Jura Süd, Zapfendorf und Giechburg finden die Abschusszahlen, die ihnen die Jagdbehörden vorgeben, unsinnig und zu hoch. Zudem sehen sie erhebliche Mängel in der Art und Weise, wie das Amt für Landwirtschaft und Forsten das Gutachten alle drei Jahre erstellt.

“Der Großteil des Waldes wird nicht berücksichtigt. Außerdem konzentriert sich das Gutachten nur auf das Rehwild. Wildschweine werden beispielsweise außer acht gelassen. Und das, obwohl sie Schäden verursachen, weil sie Eicheln und Bucheckern bereits fressen, bevor sie keimen können”, sagt Philipp und weiter: “Das Gutachten ist meiner Meinung nach nicht geeignet, über den Rehwildbestand und den Zustand des Waldes eine gültige Aussage zu machen.”

Die Jäger halten deshalb die Abschusspläne und das Gutachten für reine Bürokratie und damit für entbehrlich.